2026

SARAH LEHNERT „Paradies und Apokalypse“

30. Januar – 15. März

Sarah Lehnert (*1992, Heilbronn)

In der Epoche des Anthropozän, in der der Mensch zum maßgeblichen Einflussfaktor auf ökologische, geologische und atmosphärische Prozesse geworden ist, steht unsere Welt in einem Zustand der Unsicherheit. Klimatische Kipppunkte und gesellschaftliche Spannungen prägen ein Zeitalter zwischen Sehnsucht und Bedrohung. Paradies und Apokalypse veranschaulicht diesen Schwebezustand: romantisch wirkende Landschaften treffen auf bedrohlich leuchtende Himmelsbilder, feine Zeichnungen entwurzelter Bäume auf atmosphärisch flirrende Farbflächen.

Ein Besuch im Bayerischen Wald bildete den Ausgangspunkt dieser Auseinandersetzung. Dort fotografierte die Künstlerin vom Borkenkäfer befallene, gestürzte Bäume im Wechselspiel dramatischer Wolkenformationen. Die Eindrücke verdichteten sich zu Bildmotiven zwischen Naturidylle und Untergangsvision – als Suche nach einem Landschaftsbild, das nicht nur Schönheit zeigt, sondern auch die Fragilität des vermeintlichen Paradieses sichtbar macht. Lehnert zeigt malerische Werke, die sie ausgewählten, fein ausgeführten Zeichnungen gegenüberstellt.

Sarah Lehnert (*1992 in Heilbronn) studierte Textildesign an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart sowie Illustration/Freie Grafik an der Freien Kunstschule Stuttgart. Seit 2023 leitet sie die Museen in Eppingen und ist als freischaffende Künstlerin in überregionalen Ausstellungen vertreten. Ihre Arbeiten bewegen sich meist im Spannungsfeld von Druckgrafik, Zeichnung und fragilen Objekten.

BERND ZIMMER „Die Kraft der Form“

27. März – 10. Mai

Bernd Zimmer (*1959, Ludwigsburg)

Mit einer konzentrierten, elementaren Formensprache entfalten die Skulpturen von Bernd Zimmer eine stille, zugleich kraftvolle Präsenz. Obwohl in der Reduktion verankert, öffnen sie komplexe Bedeutungsebenen: Urbilder wie Haus, Leiter oder Altar treten in Erscheinung, aber nicht als Abbild, sondern als verdichtete Erinnerung, als Zeichen eines verlorenen Paradieses, das sich in der Kunst neu verorten lässt.

Eine zentrale Rolle spielt das Material. Zimmer verwendet blankes Gold, Rost, setzt Graphit neben Alabaster oder überzieht Oberflächen mit subtilen Farblasuren, die seine malerische Herkunft erahnen lassen. Die Kontraste verstärken das Spannungsverhältnis zwischen Geschlossenheit und Bewegung, zwischen Erdung und Transzendenz. So wirkt das Einfache bei näherer Betrachtung vielschichtig und vieldeutig, als läge in der stillen Form ein inneres, beinahe zeitloses Pulsieren. In diesem Ausgleich von Ruhemoment und Dynamik zeigt sich Zimmers klassisch geschultes Bildhauerverständnis.

Bernd Zimmer (*1959 in Ludwigsburg) studierte Malerei und Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Seine Arbeiten sind in privaten und öffentlichen Sammlungen sowie im öffentlichen Raum vertreten. Der Künstler arbeitet in Ateliers in Schorndorf und Südfrankreich; er ist Mitglied im Bund Freischaffender Bildhauer sowie im Bund Bildender Künstler Baden-Württemberg.

EBERHARD FENDRICH „new balls please“

12. Juni – 26. Juli

Eberhard Fendrich widmet sich seit vielen Jahren der Frage, wie Raum entsteht – nicht durch Masse, sondern durch Wahrnehmung. In seiner aktuellen Serie Touching Balls erzeugt er mit illusionistischen Mitteln Objekte, die real nicht existieren. Zwei nebeneinanderliegende Kugeln werden in beinahe identischer Komposition gezeigt, wie sorgsam präsentierte Sammlerstücke. Der Schein wird zur Form, die Bildfläche zum Raum.

Die Nuancen machen dabei den Unterschied: feine Farbvariationen, unterschiedliche Unter- und Hintergrundtöne, minimale Veränderungen im Materialcharakter. In der seriellen Abfolge entfalten die Werke ihren besonderen Reiz. Das wiederholte Motiv führt nicht zur Gleichförmigkeit, sondern lässt die Wahrnehmung oszillieren – zwischen Erwartung und Entzug, zwischen Präsenz und Illusion.

Eberhard Fendrich (*1959 in Sulz an Neckar) studierte an der Freien Kunstschule Stuttgart und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und lebt als Künstler und Lehrer in Heilbronn. Seit 1999 ist er Mitglied im Künstlerhaus „Zigarre“ Heilbronn.

ARTIST IN RESIDENCE – NICOLE BIANCHET „Mechanical Pause“

2. Oktober – 22. November

Nicole Bianchet (*1975, Los Angeles)

Die Künstlerin und Musikerin Nicole Bianchet inszeniert Räume mit Holzarbeiten, Fotografie und Klang. Farbe wird lasierend aufgetragen, die Oberfläche mit dem Messer geöffnet – der hölzerne Träger wird verletzt und mit Farbe regeneriert. Von weitem wirken die Arbeiten wie abstrakte, menschenleere Landschaften; von nahem eröffnet sich ein malerischer Mikrokosmos. Bianchet schafft Räume, in denen Realität und Wahrnehmung verschwimmen. Zwischen Lebhaftigkeit und Zerstörung, zwischen Sehnsucht und Überdruss entstehen ambivalente Szenen, die sowohl locken als auch abstoßen.

Im Rahmen der Ausstellung entsteht zudem ein neuer Holzschnitt, der Bianchets prozesshafte Arbeitsweise unmittelbar erlebbar macht.

Nicole Bianchet (*1975 in Los Angeles) studierte Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Karin Sander und Gustav Kluge, bei dem sie 2001–2002 Meisterschülerin war. Sie lebt und arbeitet in Heilbronn, Middelburg (Niederlande) und Berlin.